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quelle Gegen die Menschenwürde gerichtetes Verhalten Für Verhalten, das sich gegen die Menschenwürde richtet, bietet die „Ugah-Ugah”-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2020 die geeigneten Maßstäbe. https://afd-gutachten.de/gutachten/05-teil-2-rechtliche-massstaebe/02-ziele-der-partei-und-verhalten-ihrer-anhaenger/04-naehere-bestimmung-des-relevanten-verhaltens-ihrer-anhaenger/01-gegen-die-menschenwuerde-gerichtetes-verhalten/ gutachten/05-teil-2-rechtliche-massstaebe/02-ziele-der-partei-und-verhalten-ihrer-anhaenger/04-naehere-bestimmung-des-relevanten-verhaltens-ihrer-anhaenger/01-gegen-die-menschenwuerde-gerichtetes-verhalten 4 138 2026-07-25 sha256:6bd52630fa7fe5790a42776be7f8913b0729d5453b35ef289fe70051803a8e29 CC-BY 4.0 Gesellschaft fuer Freiheitsrechte e.V. certified 2026-07-25T00:00:00Z
gutachten
nr text
1519 BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 4 -- Ugah Ugah .
nr text
1520 BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 5 -- Ugah Ugah .
nr text
1521 BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 18 -- Ugah Ugah .
nr text
1522 BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 15 -- Ugah Ugah ; sowie BVerfG, Kammerbeschluss v. 06.09.2000 1 BvR 1056/95, NJW 2001, 61 (63); BVerfG, Kammerbeschluss v. 25.03.2008 1 BvR 1753/03, NJW 2008, 2907 (2909) -- Heimatvertriebenenlied ; BVerfG, Kammerbeschluss v. 04.02.2010 1 BvR 369/04 ua, NJW 2010, 2193 (2195); BGH, Urteil v. 14.01.1981 3 StR 440/80, NStZ 1981, 258; BGH, Urteil v. 26.01.1983 3 StR 414/82, NJW 1983, 1205 (1206); Anstötz , in: MüKo-StGB, 5. Aufl. 2025, § 130 Rn. 55 Fn. 275 m.w.N.
nr text
1523 Sternberg-Lieben/Schittenhelm , in: TK-StGB, 31. Aufl. 2025, § 130 Rn. 6.
nr text
1524 BayObLG, Urteil v. 17.08.1994 4 St RR 105/94, NJW 1995, 145; OLG Karlsruhe, Urteil v. 02.03.1995 2 Ss 21/94, BeckRS 1995, 08221; beide richteten sich explizit gegen die anderweitige Bewertung des Pamphlets durch das OLG Frankfurt, Urteil v. 11.05.194 n. Chr. 2 Ss 413/93, NJW 1995, 143.

Gegen die Menschenwürde gerichtetes Verhalten

Für Verhalten, das sich gegen die Menschenwürde richtet, bietet die „Ugah-Ugah”-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2020 die geeigneten Maßstäbe. Gegenstand der Entscheidung war eine rassistische Beleidigung eines Betriebsratsmitglieds gegenüber einem Schwarzen Kollegen mit den Worten „Ugah, Ugah”. Daraufhin wurde dem Betriebsratsmitglied außerordentlich gekündigt. Dieses erhob Arbeitsschutzklage vor dem zuständigen Arbeitsgericht. Die Kündigung wurde in allen Instanzen für wirksam erachtet. Daraufhin erhob das Betriebsratsmitglied Verfassungsbeschwerde aufgrund einer Verletzung der Meinungsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 GG.1 Das Bundesverfassungsgericht befand, dass die Verfassungsbeschwerde unzulässig und zudem auch unbegründet sei.2 Es führte dazu aus:

Die Urteile legen ausführlich dar, dass die Äußerung „Ugah, Ugah” gegenüber einem dunkelhäutigen Kollegen für sich genommen einen Charakter hat, der die dem Beschwerdeführer auch im Betrieb zustehende Meinungsfreiheit zurücktreten lässt. Dabei haben sich die Arbeitsgerichte nicht ausdrücklich festgelegt, ob sie dies als Schmähung, Formalbeleidigung oder Verletzung der Menschenwürde ansehen. Sie begründen aber ausführlich, dass es sich um menschenverachtende Diskriminierung handelt. Eine solche lässt sich unter Berufung auf Art. 5 Abs. 1 GG nicht rechtfertigen. Das ergibt sich daraus, dass die Menschenwürde entgegen Art. 1 Abs. 1 GG angetastet wird, wenn eine Person nicht als Mensch, sondern als Affe adressiert wird, und damit das in Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG ausdrücklich normierte Recht auf Anerkennung als Gleiche unabhängig von der „Rasse” verletzt wird.3

Das Bundesverfassungsgericht erkennt eine Menschenwürdeverletzung also darin, dass eine Person nicht als Mensch, sondern auf eine Weise adressiert wird, die ihr Recht auf Anerkennung als Gleiche unabhängig von der „Rasse” im Sinne des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG verletzt.

Allgemein setzt ein Angriff auf die Menschenwürde voraus, dass sich die feindselige Handlung nicht nur gegen einzelne Persönlichkeitsrechte wie etwa die Ehre richtet, sondern den Menschen im Kern seiner Persönlichkeit trifft, indem er unter Missachtung des Gleichheitssatzes als minderwertig dargestellt und sein Lebensrecht in der Gemeinschaft bestritten wird.4 Dies umfasst Äußerungen, in denen jemand zur Unperson gemacht oder jedenfalls in die Nähe einer solchen gerückt wird5 . Das Bayerische Oberlandesgericht und das Oberlandesgericht Karlsruhe hatten einen Menschenwürdeverstoß etwa in einem Pamphlet („Der Asylbetrüger”) erkannt, das Asylbewerber, die keinen Anspruch auf Asyl hatten, als Aidskranke, Faulenzer, Rauschgifthändler und Betrüger diffamiert und damit als „Untermenschen” dargestellt habe, weil sich dies gegen den unverzichtbaren Persönlichkeitskern der Betroffenen richtete.6

Diese Erwägungen werden an den Stellen im Gutachten weiter ausgeführt, an denen Anlass dafür besteht.


Fussnoten


  1. BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 4 -- Ugah Ugah . ↩︎

  2. BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 5 -- Ugah Ugah . ↩︎

  3. BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 18 -- Ugah Ugah . ↩︎

  4. BVerfG, Kammerbeschluss v. 02.11.2020 1 BvR 2727/19, juris, Rn. 15 -- Ugah Ugah ; sowie BVerfG, Kammerbeschluss v. 06.09.2000 1 BvR 1056/95, NJW 2001, 61 (63); BVerfG, Kammerbeschluss v. 25.03.2008 1 BvR 1753/03, NJW 2008, 2907 (2909) -- Heimatvertriebenenlied ; BVerfG, Kammerbeschluss v. 04.02.2010 1 BvR 369/04 ua, NJW 2010, 2193 (2195); BGH, Urteil v. 14.01.1981 3 StR 440/80, NStZ 1981, 258; BGH, Urteil v. 26.01.1983 3 StR 414/82, NJW 1983, 1205 (1206); Anstötz , in: MüKo-StGB, 5. Aufl. 2025, § 130 Rn. 55 Fn. 275 m.w.N. ↩︎

  5. Sternberg-Lieben/Schittenhelm , in: TK-StGB, 31. Aufl. 2025, § 130 Rn. 6. ↩︎

  6. BayObLG, Urteil v. 17.08.1994 4 St RR 105/94, NJW 1995, 145; OLG Karlsruhe, Urteil v. 02.03.1995 2 Ss 21/94, BeckRS 1995, 08221; beide richteten sich explizit gegen die anderweitige Bewertung des Pamphlets durch das OLG Frankfurt, Urteil v. 11.05.194 n. Chr. 2 Ss 413/93, NJW 1995, 143. ↩︎