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afd-gutachten-vault/quellen/gutachten/05-teil-2-rechtliche-massstaebe/01-freiheitliche-demokratische-grundordnung/01-menschenwuerde/02-achtung-der-individualitaet-identitaet-und-integritaet.md

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title: "Achtung der Individualität, Identität und Integrität"
description: "Der Staat hat ferner als Ausdruck der verfassungsstaatlichen Freiheit die Individualität, Identität sowie physische, psychische und moralische Integrität des Menschen zu achten."
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tags: [gutachten]
fussnoten:
- nr: 1409
text: "Wapler , in: Dreier, GG, 4. Aufl. 2023, Art. 1 Abs. 1 Rn. 68."
- nr: 1410
text: "Herdegen , in: Dürig/Herzog/Scholz, GG, Losebl. (Stand: Mai 2009), Art. 1 Abs. 1 Rn. 84."
- nr: 1411
text: "BVerfG, Urteil v. 17.01.2017 2 BvB 1/13, Rn. 538 f. -- NPD II ."
- nr: 1412
text: "Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 34."
- nr: 1413
text: "Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 37."
- nr: 1414
text: "Höfling , in: Sachs, GG, 10. Aufl. 2024, Art. 1 Rn. 20 ff.; Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 34--37; Herdegen , in: Dürig/Herzog/Scholz, GG, Losebl. (Stand: Mai 2009), Art. 1 Abs. 1 Rn. 95 ff."
- nr: 1415
text: "Besonders umstritten ist, inwiefern ein Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der Menschenwürde zu verorten ist. Laut BVerfG kommt auch dem nasciturus bereits Menschenwürde zu, BVerfG, Urteil v. 25.02.1975 1 BvF 1/74 ua, BVerfGE 39, 1 (41) -- Schwangerschaftsabbruch I ; BVerfG, Urteil v. 28.05.1993 2 BvF 2/90 ua, BVerfGE 88, 203 (252) -- Schwangerschaftsabbruch II . Dazu bereits kritisch: Dreier , in: Dreier, GG, 3. Aufl. 2013, Art. 1 Abs. 1 Rn. 68 m.w.N. Jedoch ist der Lebensschutz nicht mit dem Menschenwürdeschutz gleichzusetzen. Siehe dazu beispielsweise Sacksofsky , Präimplantationsdiagnostik und Grundgesetz, KJ 36 (2003), 274 (281, 286); Hörnle , Menschenwürde und Lebensschutz, ARSP 89 (2003), 318 (320)."
- nr: 1416
text: "BayVerfGH 1, 29 (32); vgl. dazu Baer , Würde oder Gleichheit?, 1995, S. 199."
- nr: 1417
text: "Höfling , in: Sachs, GG, 10. Aufl. 2024, Art. 1 Rn. 20; Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 44 f."
- nr: 1418
text: "Baer , Würde oder Gleichheit?, 1995, S. 199; Herdegen , in: Dürig/Herzog/Scholz, GG, Losebl. (Stand: Mai 2009), Art. 1 Abs. 1 Rn. 95 ff."
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# Achtung der Individualität, Identität und Integrität
Der Staat hat ferner als Ausdruck der verfassungsstaatlichen Freiheit die Individualität, Identität sowie physische, psychische und moralische Integrität des Menschen zu achten.[^1409]
Im Bereich der persönlichen Identität und der selbstbestimmten Lebensgestaltung richtet sich der Schutz sowohl nach innen, im Sinne eigenverantwortlicher Lebensentscheidungen, als auch nach außen, im Sinne eines Anspruchs auf individuelle Selbstdarstellung.[^1410] Das Bundesverfassungsgericht leitet den Begriff der Selbstbestimmung zwar vorrangig aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG ab, daneben wird Art. 1 Abs. 1 GG jedoch ein eigenständiger Schutzbereich zuerkannt.[^1411] Aus der Menschenwürdegarantie folgt beispielsweise, dass jeder Person die Möglichkeit verbleiben muss, die eigene Vergangenheit in einer Weise zu artikulieren, die mit dem gegenwärtigen Selbstverständnis in Einklang steht.[^1412] Darüber hinaus ist dem Staat untersagt, Bürger\*innen durch Strafvollzug oder sonstige Zwangsmaßnahmen zur Preisgabe von Überzeugungen zu nötigen, die staatlich als „gesellschaftsschädlich” qualifiziert werden — ein Grundsatz, der in der Literatur als Verbot der Identitätsbrechung bezeichnet wird.[^1413]
Daneben schützt die Menschenwürde die körperliche wie auch die seelische Integrität einer Person.[^1414] Nicht jeder Eingriff in die körperliche Unversehrtheit stellt dabei eine Verletzung des Achtungsanspruchs der Menschenwürde dar, nur besonders schwerwiegende Eingriffe fallen in den Schutzbereich.[^1415] So beschrieb der Bayerische Verfassungsgerichtshof nur solche Eingriffe als Verletzung, die einer „apokalyptischen Verrohung” gleichkommen.[^1416] Dies umfasst zumindest Folter, archaische Strafsanktionen und staatlichen Mord[^1417] und schwere körperliche Misshandlungen, genauso wie systematische Ehrverletzungen[^1418]. Aus dem Schutz der Integrität ergibt sich, dass die Menschenwürde eine Ausweisung von Personen in menschenunwürdige Zustände verbietet (Refoulementverbot).
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**Fussnoten**
[^1409]: Wapler , in: Dreier, GG, 4. Aufl. 2023, Art. 1 Abs. 1 Rn. 68.
[^1410]: Herdegen , in: Dürig/Herzog/Scholz, GG, Losebl. (Stand: Mai 2009), Art. 1 Abs. 1 Rn. 84.
[^1411]: BVerfG, Urteil v. 17.01.2017 2 BvB 1/13, Rn. 538 f. -- NPD II .
[^1412]: Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 34.
[^1413]: Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 37.
[^1414]: Höfling , in: Sachs, GG, 10. Aufl. 2024, Art. 1 Rn. 20 ff.; Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 34--37; Herdegen , in: Dürig/Herzog/Scholz, GG, Losebl. (Stand: Mai 2009), Art. 1 Abs. 1 Rn. 95 ff.
[^1415]: Besonders umstritten ist, inwiefern ein Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der Menschenwürde zu verorten ist. Laut BVerfG kommt auch dem nasciturus bereits Menschenwürde zu, BVerfG, Urteil v. 25.02.1975 1 BvF 1/74 ua, BVerfGE 39, 1 (41) -- Schwangerschaftsabbruch I ; BVerfG, Urteil v. 28.05.1993 2 BvF 2/90 ua, BVerfGE 88, 203 (252) -- Schwangerschaftsabbruch II . Dazu bereits kritisch: Dreier , in: Dreier, GG, 3. Aufl. 2013, Art. 1 Abs. 1 Rn. 68 m.w.N. Jedoch ist der Lebensschutz nicht mit dem Menschenwürdeschutz gleichzusetzen. Siehe dazu beispielsweise Sacksofsky , Präimplantationsdiagnostik und Grundgesetz, KJ 36 (2003), 274 (281, 286); Hörnle , Menschenwürde und Lebensschutz, ARSP 89 (2003), 318 (320).
[^1416]: BayVerfGH 1, 29 (32); vgl. dazu Baer , Würde oder Gleichheit?, 1995, S. 199.
[^1417]: Höfling , in: Sachs, GG, 10. Aufl. 2024, Art. 1 Rn. 20; Podlech , in: Alternativ-Kommentar GG, Losebl. (Stand: Grundwerk 2001), Art. 1 Rn. 44 f.
[^1418]: Baer , Würde oder Gleichheit?, 1995, S. 199; Herdegen , in: Dürig/Herzog/Scholz, GG, Losebl. (Stand: Mai 2009), Art. 1 Abs. 1 Rn. 95 ff.