Files
2026-07-25 20:42:44 +00:00

54 lines
4.9 KiB
Markdown
Raw Permalink Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters
This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.
---
type: quelle
title: "Bedeutung und Inhalt der richterlichen Unabhängigkeit"
description: "Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist für die freiheitliche demokratische Grundordnung die Kontrolle der Rechtsbindung der öffentlichen Gewalt „durch …"
url: "https://afd-gutachten.de/gutachten/06-teil-3-verfassungswidrigkeit-der-afd/03-ziele-oder-verhalten-im-widerspruch-zum-rechtsstaatsprinzip/01-massstab-sachliche-und-persoenliche-unabhaengigkeit-von-rich/01-bedeutung-und-inhalt-der-richterlichen-unabhaengigkeit/"
kapitel_pfad: "gutachten/06-teil-3-verfassungswidrigkeit-der-afd/03-ziele-oder-verhalten-im-widerspruch-zum-rechtsstaatsprinzip/01-massstab-sachliche-und-persoenliche-unabhaengigkeit-von-rich/01-bedeutung-und-inhalt-der-richterlichen-unabhaengigkeit"
ebene: 4
reihenfolge: 225
stand: "2026-07-25"
content_hash: "sha256:44cf90db702515faee3cf6ddd3a7db2e2e6fc583bbcf48535555c064561882ae"
lizenz: "CC-BY 4.0 Gesellschaft fuer Freiheitsrechte e.V."
trust: certified
timestamp: "2026-07-25T00:00:00Z"
tags: [gutachten]
fussnoten:
- nr: 4396
text: "BVerfG, Urteil v. 17.01.2017 2 BvB 1/13, Rn. 547 -- NPD II ."
- nr: 4397
text: "Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 1."
- nr: 4398
text: "Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 4."
- nr: 4399
text: "BVerfG, Beschluss v. 25.02.1964 2 BvR 411/61, juris, Rn. 14 f. -- Praktischer Richterausschluss ."
- nr: 4400
text: "Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 3."
- nr: 4401
text: "Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 13."
- nr: 4402
text: "Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 13."
- nr: 4403
text: "Schulze-Fielitz , in: Dreier, GG, 3. Aufl. 2018, Art. 97 Rn. 14."
---
# Bedeutung und Inhalt der richterlichen Unabhängigkeit
Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist für die freiheitliche demokratische Grundordnung die Kontrolle der Rechtsbindung der öffentlichen Gewalt „durch unabhängige Gerichte bestimmend”.[^4396] Gemeinsam mit dem Richtermonopol bildet die Gewährleistung der sachlichen und persönlichen Unabhängigkeit von Richter\*innen damit den „institutionellen Kern des grundgesetzlichen Rechtsstaatsprinzips” und ist „unverzichtbarer Bestandteil der gewaltenteilenden verfassungsmäßigen Ordnung”.[^4397]
Die sachliche Unabhängigkeit von Richter\*innen setzt voraus, dass diese nur dem Gesetz unterworfen und bei dessen Auslegung und Anwendung nicht an Weisungen gebunden sind.[^4398] Dies setzt wiederum voraus, dass Richter\*innen im Beruf oder außerberuflich wegen ihrer rechtsprechenden Tätigkeit keine Nachteile treffen, die geeignet sind, ihre sachliche Unabhängigkeit in Frage zu stellen oder sie von ihrer Rechtsprechungsaufgabe fernzuhalten.[^4399] Hieraus folgend ist „[j]ede vermeidbare Einflussnahme auf die Rechtsstellung der Richter seitens des Staates oder der Gesellschaft” verboten.[^4400] Während staatliche Beeinflussungen etwa in dienstlichen Konsequenzen für richterliche Entscheidungen oder zu kurzen Amtszeitgarantien liegen können, kann eine unzulässige Beeinflussung seitens der Gesellschaft „in allen nichtöffentlichen oder öffentlichen Versuchen der Einflussnahme, wie zB in Pressionen, liegen”.[^4401] Gleichzeitig ist öffentliche Kritik auch an konkreten Entscheidungen grundsätzlich zulässig. [^4402]
Die genaue Ausgestaltung der richterlichen Unabhängigkeit und ihrer Sicherung kann dabei zwar nicht als Teil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung angesehen werden. In ihrem Kerngehalt ist die richterliche Unabhängigkeit allerdings gerade auch der institutionelle Kern des Rechtsstaatsprinzips und damit konstitutiv für die freiheitliche demokratische Grundordnung. Ohne rechtsprechende Gewalt durch unbeteiligte Dritte als Richter\*innen gibt es keinen Rechtsstaat; rechtsstaatliche Justiz gibt es wiederum nur, wenn diese Richter\*innen unabhängig von Einflussnahmen Dritter auf die Streitentscheidung sind.[^4403] Im Folgenden ist damit insbesondere herauszuarbeiten, welche rechtsstaats*widrigen* Maßnahmen und Verhaltensweisen auch den Kerngehalt der Rechtsstaatlichkeit berühren, folglich rechtsstaats*feindlich* sind.
---
**Fussnoten**
[^4396]: BVerfG, Urteil v. 17.01.2017 2 BvB 1/13, Rn. 547 -- NPD II .
[^4397]: Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 1.
[^4398]: Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 4.
[^4399]: BVerfG, Beschluss v. 25.02.1964 2 BvR 411/61, juris, Rn. 14 f. -- Praktischer Richterausschluss .
[^4400]: Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 3.
[^4401]: Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 13.
[^4402]: Morgenthaler/Münkler , in: BeckOK GG, 64. Ed. 15.11.2025, Art. 97 Rn. 13.
[^4403]: Schulze-Fielitz , in: Dreier, GG, 3. Aufl. 2018, Art. 97 Rn. 14.